Befeuert wird dieses permanente Schneller, Höher und Weiter mit den vielen Billionen frischer Geldeinheiten aus den Zentralbanken und deren Minizinsen - für noch mehr Schulden. Wir nähern uns erst der Marke von 300 Billionen US-Dollar. Wenn bald die Billiarde erreicht wird, was ist schon eine einzige klitzekleine Billiarde, wird uns das heutige Schuldenniveau als so lächerlich vorkommen wie die Million von damals.

Der Lokomotive darf der Dampf nicht ausgehen, selbst wenn die letzte Kohle längst verbrannt ist. Am letzten Donnerstag hatten wir Menschen dafür schon alles verbraucht, was uns Mutter Erde für das ganze Jahr zugedacht hatte. Im letzten Jahr war dieser Tag am 22. August und damit drei Wochen später. Sind wir eine Plage? Doch wir müssen wachsen, egal wohin.

Wenn Gelddrucken reich machen würde....

Der Grenznutzen einer zusätzlichen Geldeinheit zur Befeuerung der Weltwirtschaft nimmt immer weiter ab. Irgendwann bringt noch mehr Geld gar nichts mehr. Mit Vollgas in den Rückwärtsgang, die Älteren unter uns wissen das, ist keine angenehme Sache. Dann aber nähern wir uns auch dem Tag der Abrechnung, wenn die Schulden ausgebucht und nicht mehr auf die Schultern der Bürger umgebucht werden können. Bis dahin aber ist Party.

Unterdessen stiegen hierzulande im Juni die Verbraucherpreise um erstaunliche 3,8 Prozent. Schaut man sich aber aufmerksam um, dann stellt sich einem die Frage, wo man diese vielen Warenkörbe aufgestellt und ausgemessen hat. Dort, wo es immer so nett nach chinesischer Chemie duftet?

Die höchste Teuerung seit 2008 ist beim zweiten Blick nur die Spitze des Eisberges. Fairerweise müssten die Preisanstiege auch bei Wertpapieren, Immobilien, Grundstücken, Rohstoffen und Edelmetallen miteinbezogen werden. So „inflationierte“ allein der DAX um 25,6 Prozent seit Juli 2020, womit sich die Teuerung ausgleichen ließe.

Für Leute mit wenig Geld und viel Monat sind diese Zahlen wenig hilfreich, kaufen sie ja auch keinen Kuchen, wenn es für Brot nicht reicht. Börse, Gold und eine Villa am Stadtrand gehören definitiv zu dem, was sie als letztes kaufen. Und bei herkömmlichen Sparern macht sich zumindest ein bisschen Sorge breit, denn Gelddrucken macht wirklich nicht reich!

Wer vor einem Jahr 1.000 Euro besaß, besitzt heute zwar noch die gleiche Zahl, aber nicht mehr den gleichen Wert, wobei Geld keinen Wert, sondern nur einen Preis hat. Nach einem Jahr sind 38 Euro Kaufkraft weg, während mancher lustige Experte erklärt, wie segensreich die Inflation doch sei. Dabei wird darüber diskutiert, ob der Zins zu den Menschenrechten gehört – oder schon dem Weltkulturerbe zuzurechnen ist.

Der Zins ist lediglich die Maßeinheit für ein Risiko, sein verliehenes Geld nicht wiederzubekommen bzw. keinen Ausgleich für den Verzicht des Nicht-Ausgebens zu erhalten. Dieses Risiko und die damit fast schon automatische Regulierung eines Marktes über den Preis (des Geldes) wurde - staatlich angezettelt - ausgeschaltet. Wir erleben das größte Geldexperiment der Geschichte, wo die Welt im Geld ertränkt wird, obwohl es überall staubtrocken sei.

Die Bundesbank rechnet demnächst mit fünf Prozent Anstieg der Verbraucherpreise. Die EZB schaut weg. Wäre der Realzins in den USA positiv, würde es zu einer globalen Schuldenkrise kommen, so die Deutsche Bank in einer Analyse. Die Welt würde in eine Schuldenkrise taumeln. Von daher sind negative Realzinsen diesseits und jenseits des Atlantiks mehr als erwünscht – übertüncht von allerhand Beschwichtigungen und Großpackungen an Beruhigungspillen. Nein, es war nicht das Virus, was diese Orgie des Gelddruckes ausgelöst, sondern diese erst ermöglicht hat.

Die armen Sparer...

Die Sparer befinden sich jetzt mitten im Kampf gegen die höheren Lebenskosten. Staatlich gewollter Kaufkraftverlust zum Abschmelzen der gigantischen Staatsschulden über die Inflation, man nennt es auch finanzielle Repression, lässt sich nur mit mehr Rendite und entsprechend höherem Risiko an der Börse oder mit anderen Sachwerten ausgleichen. Viel Glück dabei!

Steigen die Preise für die Menschen stärker als ihre Löhne, dann nennt man das eine Verarmung. Was aber tun? Den Chef um mehr Geld bitten? Der wird umfangreich erklären, warum das gerade wieder nicht geht. Und wer hier Glück haben sollte oder die Gewerkschaft im Rücken, der verliert dann wieder einen Großteil vom Bruttoplus über die Steuern an den Staat.

Oder man schränkt sich stärker ein. Dabei ist heute schon weniger mehr. Der Supermarkt ihres Misstrauens verkauft jetzt schon viel kleinere Packungen zum gleichen und auch schon höheren Preis. Angeblich hat man das in streng geheimen und hausinternen Umfragen herausgefunden, dass die Kunden lieber kleinere Packungen wünschen. Ja klar!

Wo lässt sich sparen?

Der Fantasie ist keine Grenze gesetzt. Zum Steak muss es ja nicht immer auch noch Gemüse sein! Lange Haare liegen im Trend und sparen den Friseurbesuch alle paar Wochen. Selbst kochen statt im Restaurant mit Maske essen, kommt am Ende viel billiger. Entsorgen Sie schleunigst ihre Zimmerpflanzen! Das gesparte Wasser trinkt man selbst und spart wiederum den Kaffee, der jetzt ja auch doppelt so viel kostet. Urlaub auf Balkonien? Klar! Sollten die Nachbarn ungläubig schauen, schieben sie das auf ihre Flugscham und den Rest auf ihren ganz persönlichen ökologischen Fußabdruck.

Vielleicht ist dieser Wettlauf ums Auskommen mit dem Einkommen in vier Jahren schon eine weitere olympische Disziplin geworden?

„Was bedeutet das für mich konkret?!“

Wenn einem das Leben Zitronen schenkt, kann man zumindest Limonade daraus machen. Die Zinspolitik ist aber kein Zitronenbaum. Sie hält ihr Absaugrohr in die Geldbörsen der Leute, ohne dass sie es merken. Da bleibt nur das Reagieren wie bei einem Geisterfahrer auf der Autobahn. Das benötigt Aufmerksamkeit und Handeln. Wer nicht handelt, wird behandelt.