Der Eigenkapitalanteil sollte deutlich höher sein – je nach Alter bis zu 100 Prozent. Spätestens mit der Rente sollte das Heim schuldenfrei sein. Wobei zu bedenken ist, dass das Renteneintrittsalter mit steigender Lebenserwartung sukzessive weiter steigt! Und auch die Bauausführung gehorcht anderen Prinzipien: seniorengerecht – barrierefrei – verkehrsgünstig. Klares Anforderungsprofil zum selbstbestimmten Wohnen im Alter in den eigenen vier Wänden

Je später im Leben gebaut wird, desto mehr sind Grundsätze für eine altersgerechte Bleibe zu berücksichtigen. Schon heute sind Häuslebauer durchschnittlich fast 40 Jahre alt oder sogar drüber (bei Käufen von Bauträgern). Und das korrespondiert einerseits mit der höheren Lebenserwartung, ferner auch mit dem sukzessive immer späteren Renteneintrittsalter (das weiter steigen wird!) und auch mit der im Durchschnitt späteren Familiengründung bzw. der Tatsache, dass Eltern heutzutage einige Jahre älter sind als früher. All dies hat naturgemäß auch Folgen hinsichtlich der Vorstellungen vom Wohnen in den eigenen vier Wänden, und das ganz besonders auch in den späteren Jahren, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Denn dann wird ja möglicherweise noch ein zweites Mal gebaut.

Senioren bauen gerne in der angestammten Umgebung

Wenn die Kinder aus dem Haus sind, entspricht das auf mehr Personen – und auch jüngere Personen - zugeschnittene Haus den dann allein lebenden Senioren nicht mehr den geänderten Vorstellungen vom Wohnen und möglicherweise auch von der Umgebung, also dem gesamten kulturellen Umfeld. Doch letzteres ist eigentlich, wie Fachleute beobachten, die Ausnahme. Denn viele Wohnungsbauexperten berichten übereinstimmend, dass Senioren, die sich noch einmal ein Häuschen auf ihre geänderten Lebensumstände maßschneidern wollen, meist gerne in der gewohnten Umgebung bleiben. Die Freunde sind in der Nähe, den Hausarzt trifft man am Stammtisch, der Bus ins Theater fährt nebenan, Rewe und Aldi sind erreichbar, der Friseur ist nett, und und und. Hier findet also der Trend in die Stadt, wie bei den meist Jüngeren, nicht statt. Sicher ein Grund dafür, dass viele Senioren ihr auch zu groß gewordenes Grundstück teilen, das alte Haus veräußern oder vermieten und auf dem abgetrennten Teil ihr neues Häuschen gemäß den geänderten Lebensvorstellungen errichten. 

Und bei der Realisierung dieses neuen, maßgeschneiderten Alterswohnsitzes greifen neben den Aspekten der Seniorentauglichkeit auch deutlich andere Finanzierungsüberlegungen Platz. Denn eine Grundregel scheint generell akzeptiert zu werden, dass das neue Heim spätestens mit dem Renteneintrittsalter schuldenfrei sein sollte. Wobei an dieser Stelle aber selten einkalkuliert wird, dass zum Beispiel ein heute 50-Jähriger Häuslebauer davon ausgehen sollte, entsprechend den weiter laufenden Prozessen in der Alterspyramide bis zum 70ten Jahr schaffen zu müssen und erst dann zum Rentner wird.

Auch unangenehme Vorkommnisse einkalkulieren

Es stehen also – zumindest theoretisch - noch immerhin weitere 20 Jahre zur Verfügung, um die neue Schuld zu tilgen und trotzdem beim Renteneintrittsalter ohne Schulden da zu stehen. Viele pfiffige Finanzhäuser helfen dem Baufinanzierer, genau zu dem gewünschten Zeitpunkt schuldenfrei zu sein. Entsprechend wird die Höhe der Tilgung ausgerechnet, damit wie gewünscht beim 65. oder 68. oder auch 70. Geburtstag die Schuld beglichen ist. Dabei sollte es für den Kreditnehmer selbstverständlich sein, dass er sich  hinsichtlich der Rückzahlung seines Darlehens gewisse Spielräume bewilligen lässt. Zum Beispiel also eine vorzeitige Rückzahlung neben der Regeltilgung erlaubt ist, also zum Beispiel dann, wenn die heißgeliebte Erbtante verblichen ist o.ä.. Sich selbst bzw. seinen Partner sollte der Kreditnehmer natürlich auch absichern, sei es durch ein entsprechend zugeschnittene Lebensversicherung o.ä. Schließlich nehmen die Gesundheitsrisiken leider mit zunehmendem Alter ebenfalls zu.

Bausenioren sollten schon mehr Eigenkapital auf den Tisch legen können

Zudem sollte ein anderer Finanzierungsaspekt beim Bauen im Alter berücksichtigt werden. Es leuchtet ein, dass ein 50-Jähriger Häuslebauer natürlich eine höhere Eigenkapitalquote mitbringen sollte als der 30-Jährige. Und klar sein sollte auch, dass der Eigenkapitalanteil weiter steigen sollte, desto später die Hausbaupläne realisiert werden. Das sollte in vielen Fällen auch dadurch ermöglicht werden, dass  oft ein Austausch des Hauses stattfindet. Es wird das nach Auszug der Kinder zu groß gewordene Haus veräußert und ein neues, seniorengerechtes maßgeschneidertes Haus erbaut oder gekauft. Wer also mit stolzen 65 Jahren noch baut oder kauft, sollte schon den Kaufpreis weitgehend auf den Tisch legen können. Ähnliches gilt natürlich für den, der daran geht, sein Haus altersgerecht umzubauen. Denn auch dabei können  für Türverbreiterungen, Schwellenabsenkungen, Treppenlifte oder Badezimmerumbau schnell Kosten von 30.000 bis 50.000 Euro entstehen.

Und was alles zu einer seniorengerechten Gestaltung eines Hauses gehört, haben pfiffige Handwerksbetriebe inzwischen in ellenlangen Checklisten festgehalten. Ein Durcharbeiten solcher Listen hilft dann auch bei der Entscheidung, ob mühseliges Umbauen oder doch lieber Neubau. Schließlich ist ein Haus weniger oder zumindest nicht nur ein kühles Rechenexempel als vielmehr da zur Erzielung einer optimalen Lebensqualität, meint jedenfalls der Senior-Autor, der sich entschlossen hat, in seinem inzwischen zu großen Haus zu bleiben.