Mehr und mehr zeichnet sich ab, dass die Kreditvergabe in Chinas Schattenbankensektor vor rund zwei Jahren ihren Höhepunkt erreicht hat. Chinas knapp $40 Billionen schwerer Finanz- und Kapitalmarktsektor könnte aufgrund dieser Entwicklung unter enormen Druck geraten.

Nicht von ungefähr haben die chinesischen Finanzaufsichtsbehörden vor geraumer Zeit die Vorgabe ausgegeben, den Verschuldungsstand im Reich der Mitte abzubauen. Insbesondere in der Privatwirtschaft ist diese Aufforderung bislang nahezu ungehört geblieben.

Dies gilt für private Unternehmen und Verbraucher gleichsam. Bislang ist es Peking möglich gewesen, aufkommenden Stress im heimischen Finanz- und Bankensystem mittels staatlicher Interventionen zu umschiffen.

Doch dies könnte sich nun ändern. Die Epoch Times warnt vor „Anzeichen für den Ausbruch einer bevorstehenden Finanzkrise“ in China. Tatsächlich ist es vor wenigen Tagen zu einem Run auf eine kleine Lokalbank in Zigong in Südwestchinas Provinz Sichuan gekommen.

Laut eines Berichts auf der staatlichen Nachrichten-Webseite Da Zhong sollen sich die Anteilseigner der Bank of Zigong mit umgerechnet knapp $5,8 Milliarden aus dem Staub gemacht haben, indem Kredite an zuvor selbst gegründete Mantelfirmen vergeben wurden.

Selbstverständlich wurden weder diese einst aufgenommenen Kredite bedient noch zurück bezahlt, was der Bank massive Verluste bescherte. Es dauerte zwar nur zwanzig Minuten, bis die Nachrichtenmeldung seitens der Internetzensoren gelöscht wurde, allerdings änderte dies nichts daran, dass sich die Meldung wie ein Lauffeuer verbreitete. Resultat war, dass Kunden der Lokalbank in Massen in deren Filialen in Zigong strömten, um ihre Einlagegelder von den Konten abzuheben.

Diese Bilder wurden durch Beobachter der Szenerie wiederum ins Internet und die sozialen Medien hochgeladen. Es dauerte daraufhin erneut nicht lang, bis die Regulierungskommission eine Meldung veröffentlichte, um die Kunden der Bank zu beruhigen.

Darin hieß es, dass die Bank of Zigong ihren Betrieb auf normale Weise aufrechterhalten wird und ferner über einen ausreichenden Cashflow und genügend Finanzreserven verfüge. Zum selben Zeitpunkt gaben die lokalen Polizeibehörden bekannt, eine Person verhaftet zu haben, die für eine Verbreitung von „Online-Gerüchten“ und Bildern verantwortlich sei.

Die Kunden der Bank ließen sich trotz allem nicht davon abhalten, in Scharen in den Filialen aufzutauchen, um Kapital von den Konten abzuziehen. Diese Entwicklung könnte letztendlich doch noch zu einem Zusammenbruch der Bank of Zigong führen.

Ist das Vertrauen der Bankkunden erst einmal im Eimer, hilft eben alles nichts mehr, wie sich einmal mehr zeigt. Beobachter warnen mittlerweile davor, dass die Geschehnisse bei der Bank of Zigong keineswegs auf die Region beschränkt bleiben könnten, sondern Folgen für die nationale Wirtschaft des Landes nach sich ziehen werden.

Denn in einigen anderen Regionen Chinas sieht es nicht viel anders aus. Wie in vielen anderen Regionen Chinas haben auch die kommunalen Behörden massive Darlehen bei Instituten wie der Bank of Zigong aufgenommen.

Ein Großteil dieser Kredite ist in die Finanzierung von Infrastrukturprojekten geflossen, wie die Epoch Times berichtet. Kommunale „Investmentgesellschaften“ sind bis über beide Ohren bei chinesischen Kommunal- und Regionalbanken verschuldet.

Wie sich herausstellt, sehen sich auch viele Lokalbehörden nicht dazu in der Lage, einst aufgenommene Kredite zurück zu bezahlen. Peking hat kürzlich erst eine Richtlinie erlassen, wonach es lokal-staatlich betriebenen „Investmentgesellschaften“ nunmehr ermöglicht wird, Insolvenz einzureichen.

Ökonomen und ausländische Beobachter warnen davor, dass ein Dominoeffekt in China einsetzen könnte, falls es lokal-staatlichen „Investmentgesellschaften“ fortan gestattet wird, einen Schuldenausfall auf ihre ausstehenden Kredite zu erklären.

Lokal- und Regionalbanken, die Kredite in Massen an diese Vehikel vergeben haben, würden dann nämlich selbst in Schieflage geraten. Ebenso würde es auch Privatkunden dieser Banken – Unternehmen und Verbrauchern – ergehen, die ihre Einlagen flöten gehen sähen.

Cao Ji, ehedem Universitätsprofessor in Shanghai, teilt zu den Geschehnissen mit, dass es in China zum Ausbruch einer Finanzkrise kommen werde, falls die Bank of Zigong nicht in der Lage sei, den Run auf die Konten zu stoppen.

Grund hierfür sei, dass der Ausbruch einer großen Finanz- und Bankenkrise von den Lokal- und Regionalbanken Chinas ausgehen werde, so Ji. Das chinesische Finanzdatenportal China Finance Information teilte inzwischen in einer öffentlichen Erklärung mit, dass auch die Energiefirma China Western Power in die Bank of Zigong investiert hat.

In der Tat erweist sich China Western Power mit 20 Prozent gar als größter Aktionär der Bank. Und was folgt nun? Laut eines Berichtes in der Zeitung Changjiang Times vom 8. Oktober soll sich China Western Power ebenfalls in einer Finanzschieflage sehen. Grund ist selbstverständlich, dass die Firma bis über beide Ohren verschuldet ist.

Folge der Geschehnisse in Zigong wird unter aller Voraussicht ebenfalls sein, dass sich die Kapitalflucht aus China abermals intensivieren wird. Es bleibt also alles beim Alten. Das Gros der Chinesen traut dem eigenen Finanz- und Bankensystem und der eigenen Regierung nicht über den Weg.