Erste Refinanzierungsmaßnahmen seit 2009 zeigen Liquiditätsengpass

Seit dem 17. September 2019 hat die Federal Reserve Bank of New York Milliarden von US-Dollars in die Refinanzierungsmärkte (Repo-Märkte) gepumpt. Hierbei handelt es sich um die ersten Interventionen dieser Art seit dem Finanzkrisenjahr 2009.

Die Fed hat angekündigt, damit fortzufahren, bis zum 4. November bis zu 75 Milliarden US-Dollar pro Tag in die Repo-Märkte zu pumpen. Die Repo-Märkte stellen aus Sicht von Banken und Kreditgebern, die aus kurzfristiger Sicht über Liquiditätsengpässe verfügen, ein Vehikel dar, um kurzfristige (meist Ein-Tages-Finanzierungen) seitens anderer Banken zu erhalten.

Die Interventionen der Fed erweisen sich als nichts anderes als eine Reaktion auf eine plötzliche Liquiditätsknappheit in Amerikas Bankensystem, was wiederum zur Folge hatte, dass die Zinssätze auf diese kurzfristigen Darlehen über Nacht auf zehn Prozent geklettert waren. Derartige Zinsniveaus liegen allerdings weit oberhalb des Zielzinssatzes der Fed.

Bilanzbuch erst um ca. 18 % reduziert

Einer der Faktoren, der für die Liquiditätsknappheit an den Repo-Märkten verantwortlich gemacht wird, leitet sich anhand der Verkäufe oder des Auslaufens jener Vermögenswerte, welche die Fed einst im Rahmen ihrer QE-Programme angekauft hatte, ab.

Seitdem die Federal Reserve ihre Bemühungen zu einem „Abbau“ ihres Bilanzbuchs in den Vordergrund ihres Handelns gestellt hat, wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt Vermögenswerte in einem Gesamtumfang von mehr als 700 Milliarden US-Dollar abgebaut.

Es erweckt auf den ersten Blick den Eindruck, als ob es sich hierbei um einen sehr hohen Betrag handeln würde. Doch angesichts der Tatsache, dass das Bilanzbuch der Fed auf weit über vier Billionen US-Dollar explodierte, haben sich die durch die Federal Reserve gehaltenen Vermögenswerte bis dato um gerade einmal rund 18 Prozent reduziert.

Weitere „Normalisierung“ nicht zu erwarten

Wenn ein in Relation derart geringer Abbau der durch die Fed gehaltenen Vermögenswerte zu einer Liquiditätsknappheit solchen Ausmaßes an den Repo-Märkten beigetragen hat, und die Fed in direkter Folge Milliarden von US-Dollars auf panische Weise in diesen Markt pumpt, erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass die Fed mit ihren Vermögensverkäufen fortfahren wird, um das eigene Bilanzbuch zu „normalisieren“.

Zinsanstieg aufgrund von Bondabverkäufen setzt Fed unter Druck

Ein weiterer Faktor, der zu der zu beobachtenden Liquiditätsknappheit an den Repo-Märkten beigetragen zu haben scheint, leitet sich anhand eines massiven Verkaufs von amerikanischen Schatzanleihen ab. Ein Verkauf von Regierungsbonds führt zu einer Reduzierung jenes Kapitals, das für Investitionen im privaten Wirtschaftssektor zur Verfügung steht.

Konsequenz ist, dass die Zinsen klettern. Dieser „Verdrängungseffekt“ spielt der Fed eine weitere Rechtfertigung in die Hände, um noch mehr Geld in die Märkte zu pumpen. Mit Blick auf diesen „Verdrängungseffekt“ handelt es sich lediglich um eine Art und Weise, auf welche die massiv kletternde Staatsverschuldung den Druck auf die Fed erhöht, die Zinsen auf niedrigen Niveaus zu halten.

Steigende Staatsverschuldung benötigt niedrige Zinsen – auch Negativzins möglich!

Eine massiv zunehmende Staatsverschuldung erhöht den Druck auf die Fed, die Zinsen auf so niedrigen Niveaus wie möglich zu halten, um zu verhindern, dass die durch die US-Regierung zu leistenden Zinszahlungen nicht nachhaltige Niveaus erreichen. Im Hinblick auf das über eine Billion US-Dollar betragende – und weiter steigende – Haushaltsdefizit der Washingtoner Regierung handelt es sich um den Hauptgrund, weswegen die Fed die Zinsen in den USA unter aller Voraussicht auf niedrigen Niveaus halten wird.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt könnte es gar dazu kommen, dass die Fed sich ebenfalls der wahnwitzigen Strategie von Negativzinsen bedienen wird. Der amerikanischen Bevölkerung wird noch nicht einmal gestattet, sich darüber ins Bild zu setzen, welche Banken von den jüngsten Interventionen der Fed an den Repo-Märkten profitiert haben oder welche Pläne bei der Fed in Bezug auf zukünftige Bailouts geschmiedet werden.

Die Bürger erhalten keinen Bailout – Maßnahmen zeigen Kontrollverlust der Fed

Dies gilt selbst unter der Prämisse, dass die amerikanischen Staatsbürger für diese zukünftigen Bailouts bezahlen werden – entweder über steigende Steuern, stark wachsende Schulden oder die durch die Federal Reserve verborgene Inflationssteuer, die im Angesicht des nächsten Finanzcrashs schlagend werden.

Selbstverständlich wird all jenen Otto-Normalbürgern, die im Zuge des nächsten Finanzzusammenbruchs neben ihren Ersparnissen auch ihre Arbeitsplätze verlieren werden, kein Regierungs-Bailout geleistet werden.

Hierin findet sich einer der Gründe, weshalb es so wichtig ist, dass der US-Kongress erste Schritte und Maßnahmen zu Änderungen der Geldpolitik einleitet, indem das Gesetz „Audit the Fed“ verabschiedet wird.

Die Notwendigkeit eines Einpumpens von Milliarden von US-Dollars in die Repo-Märkte durch die Fed mit dem Ziel, die Zinsen an diesen wichtigen Märkten nahe des Zielzinssatzes der Fed zu halten, zeigt, dass die Fed ihre Macht einbüßt, die Kontrolle über den Preis des Geldes aufrechtzuerhalten.

Bildung einer kritischen Masse

Der nächste Finanzzusammenbruch wird sehr wahrscheinlich zu einem Ende des Fiatgeld-Systems führen, was ebenso aus Sicht des gesamten Wohlfahrtsstaats gelten dürfte. All jene unter uns, die das Verständnis für die Tatsache aufbringen, dass es sich im Fall der Fed um den Verursacher – und nicht um den Lösungsbringer – unserer Finanzprobleme handelt, müssen ihre persönlichen Anstrengungen verdoppeln, um unsere Mitbürger in Sachen eines gesunden Finanz- und Wirtschaftssystems sowie freiheitlicher Ideen zu bilden.

Nur auf diese Weise werden wir uns dazu in der Lage sehen, jene kritische Masse zu erreichen, die notwendig ist, um den US-Kongress dazu zu zwingen, die staatlichen Ausgaben zu senken, die einst verabschiedeten Gesetze zu gesetzlichen Zahlungsmitteln zu revidieren, wieder einen freien Geldmarkt herzustellen und die Fed einer vollumfänglichen Überprüfung zu unterziehen – um die Fed zu guter Letzt abzuschaffen.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2019 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war neben seiner zwanzigjährigen Tätigkeit als Washingtoner Kongressabgeordneter für den US-Bundesstaat Texas auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.