Die arbeitende Bevölkerung in den Vereinigten Staaten muss einen immer höheren Anteil von deren Einkommen für die Bedienung und Rückzahlung von im letzten Jahr aufgenommenen Schulden aufbringen.

Moody´s warnt vor Zahlungsausfällen bei Verbraucherkrediten

Dabei handelt es sich um den ersten Anstieg seit dem Jahr 2010. Für die Ratingagentur Moody´s Investors Service ist dies unter Bezugnahme auf einen neuen Bericht der Federal Reserve zum Zustand der amerikanischen Verbraucherfinanzen ein guter Grund, um in diesem Segment vor zunehmenden Zahlungsausfällen in absehbarer Zukunft zu warnen.

Moody´s weist darauf hin, dass Amerikas private Verbraucher immer mehr Schulden aufnehmen, obwohl sich die US-Wirtschaft weiterhin in einem Prozess der Erholung befinde.

Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die Ausführungen meines Blogkollegen Dr. Paul Craig Roberts, der sich mit dem Zustand der US-Wirtschaft seit mehr als zwei Dekaden beschäftigt. Dass ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung in den Vereinigten Staaten von der wirtschaftlichen Erholung kaum profitierte, hat seine Gründe.

Probleme trotz wirtschaftlicher Erholung – was passiert erst in Schwächephase?

Diese Gründe wurden in der Vergangenheit auf diesem Kanal im Detail erklärt, weshalb an dieser Stelle nicht ein weiteres Mal darauf eingegangen werden soll. Bei Moody´s heißt es, dass den heimischen Banken auf Basis der aktuellen Entwicklung Probleme bereitet werden könnten.
Und zwar dann, wenn sich das Wachstum in den Vereinigten Staaten verlangsamen sollte.

Laut Moody´s Investors Service gäbe es verschiedene Anzeichen dafür, dass der Kreditzyklus seinen Höhepunkt überschritten haben könnte und sich somit an einem Wendepunkt zu befinden scheint.

Es sei deshalb überaus ratsam, den Horizont auf Anzeichen für sich abzeichnenden Stress an den Finanzmärkten abzuklopfen. Es müsse ebenfalls darüber nachgedacht werden, welche Auswirkungen es haben würde, wenn die amerikanische Wirtschaft in eine Schwächephase geraten sollte.

Untere Einkommensschichten sind am stärksten betroffen

Wie vor Kurzem berichtet, hat die private Verschuldung in den Vereinigten Staaten im 2. Quartal dieses Jahres ein neues Rekordhoch erreicht. Während die Einkommen im oberen Bereich der Einkommenspyramide in den letzten Jahren stärker stiegen als die Verschuldung, sieht dies am unteren Ende der gesellschaftlichen Skala völlig anders aus.

Insbesondere Privathaushalte, die pro Jahr über ein erarbeitetes Einkommen von zwischen $25.300 und $43.000 verfügen, müssen einen immer höheren Anteil ihrer Einkommen für eine Bedienung und Rückzahlung ihrer Schulden aufbringen.

Laut dem Bericht der Federal Reserve wurde vom verfügbaren Einkommen in dieser Schicht im Gesamtjahr 2016 bereits ein Anteil von knapp 16% fällig. Untere Einkommensschichten sähen sich laut Moody´s dazu gezwungen, höhere Schulden aufzunehmen, da deren durchschnittliche Einkommen seit dem Jahr 2013 gerade einmal um 5% angestiegen seien.

Gründe liegen in lockerer Kreditvergabe und steigenden Miet- und Gesundheitskosten

Auf inflationsbereinigter – und somit realer – Basis wird sich diese Entwicklung gewiss – und wie in der Vergangenheit berichtet – noch spärlicher und dürftiger ausnehmen. In den oberen Einkommensschichten nimmt sich dieser Anstieg hingegen gänzlich anders aus, da diese Gesellschaftsschichten den Löwenanteil der Einkommenszuwächse auf sich vereinten.

Moody´s Investors Service weist darauf hin, dass es den unteren Einkommensschichten in den USA aufgrund von gelockerten Kreditstandards leichter durch die heimischen Kreditgeber und Banken gemacht worden sei, sich abermals weit höher zu verschulden. Hinzu geselle sich die Tatsache, dass sich klassische Arbeitnehmerhaushalte in den USA jetzt auch noch ganz anderen Problemen ausgesetzt sähen.

Denn die Kosten für die gesundheitliche Vorsorge seien auf breiter Front am Steigen. Auch die Mieten befänden sich in weiten Teilen des Landes noch immer in einer Aufwärtsspirale. Moody´s warnt aus diesem Grund vor zunehmenden Zahlungsausfällen im Konsumsektor in absehbarer Zeit.

Selbst bei Haushalten mit Jahreseinkommen zwischen $110.000 und $180.000 steigt die Verschuldung

Auch Investoren, die mit Privatdarlehen besicherte Anleihen gekauft haben, sähen sich laut Moody´s bedeutend höheren Risiken ausgesetzt als noch vor einigen Jahren. Interessant ist die Tatsache, dass selbst unter Privathaushalten, die über ein Jahreseinkommen von zwischen $110.000 und $180.000 verfügten, die Verschuldung am Steigen ist.

Mittlerweile müssen diese Haushalte bereits einen Anteil von 40% in Relation zu deren Jahreseinkommen für die Bedienung und Rückzahlung von aufgenommenen Schulden aufbringen. Diese Einkommensschicht stellt einen Anteil von 4,25% an der amerikanischen Gesellschaft. Im Jahr 2013 handelte es sich laut Moody´s um 3,9%.