Neue Daten zeigen, dass Investoren in der abgelaufenen Woche erneut $11,6 Milliarden aus amerikanischen Aktienfonds abgezogen haben. Die am 5. Juli beendete Woche blickt somit auf einen der höchsten Kapitalabzüge unter Anlegern im laufenden Jahr.

Laut ICI seien die Kapitalströme in Bezug auf Exchange Traded Funds (ETFs) sowie Aktien- und Mischfonds erstmals seit Januar wieder negativ. Anleger und Spekulanten werden im Angesicht von teilweise extrem hohen Bewertungen an den US-Aktienmärkten nun vielleicht tatsächlich ein wenig vorsichtiger.

Der Wind dreht sich, Volatilität trotzdem sehr gering

In den vergangenen Wochen und Monaten hatte eine Vielzahl an renommierten Finanzplayern vor möglichen Kursrückgängen an den Vermögensmärkten gewarnt. Darunter befinden sich mittlerweile auch immer mehr Institutionen, Analysten und Kommentatoren, welche dem Bullenmarkt bis vor Kurzem noch die Stange gehalten hatten.

Unterdessen ist die Volatilität an den amerikanischen Aktienmärkten unter deren historischen Durchschnitt gesunken, obwohl sich der Versuch eines Ausstiegs aus den QE- und sonstigen Stimulierungsprogrammen unter Zentralbanken abzeichnet. Bislang hatten Aktienanleger die deutlich wachsenden Risiken ausgeblendet und ignoriert.

Abzug aus Rohstoffen und US-Kommunalanleihen

Wie vor einigen Tagen berichtet, sind die Bondzinsen in den Vereinigten Staaten am Klettern, eine Entwicklung, die sich indes ebenfalls an Europas Staatsanleihemärkten beobachten lässt. Auch den Kursen an den Rohstoffmärkten scheint diese Entwicklung nicht sonderlich gut zu tun.

Nachdem eine Reihe von Rohstoffanlageklassen aus technischer Sicht wieder in Bärenmärkte abgedriftet ist, ziehen Investoren nach wie Cash aus diesen Märkten ab. Auf knapp $585 Millionen belief sich der durch ICI gemessene Kapitalabzug in der abgelaufenen Woche.

Auch Amerikas Kommunalbondmärkte blicken erstmals seit März wieder auf einen negativen Kapitalfluss, nachdem Investoren in der abgelaufenen Woche rund $250 Millionen abzogen. Anlagen in US-Kommunalbonds sehen sich nicht selten von der heimischen Steuer befreit.

Wie zuletzt berichtet, schwappt die Bankrottwelle unter Städten und Kommunen nun jedoch selbst auf die wohlhabendsten Bundesstaaten über, was Bondanleger unter Umständen ein wenig vorsichtiger agieren lässt.

Internationale Aktien- und Anleihefonds profitieren von „Anlagenotstand“

Amerikas Kommunalbondmärkte gleichen aufgrund der teils extrem hohen Verschuldung unter öffentlichen Körperschaften langsam aber sicher einer Art Minenfeld. Spätestens seit dem erklärten Zahlungsausfall des Inselterritoriums Puerto Rico ist auch keineswegs mehr gewiss, ob die Washingtoner Bundesregierung – wie zuvor allgemein erwartet – mittels eines Bailouts zur Hilfe eilt.

Aus Sicht des abgelaufenen ersten Halbjahrs sieht es für die an Amerikas Aktienmärkten aktiven Exchange Traded Funds und Mutual Funds noch weitaus schlechter aus. Denn in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zogen heimische Anleger laut Morningstar etwa $98,5 Milliarden aus diesen Vehikeln ab.

Stellt sich vielleicht die Frage, wer dann in Amerika überhaupt noch Aktien kauft? Gemeinhin wird doch stets von einem „riesigen Anlagenotstand“ gesprochen. International anlegende Bondfonds schienen in den ersten sechs Monaten von dieser Situation zu profitieren, nachdem diesen Vehikeln frisches Anklagekapital in Höhe von $106 Milliarden zugeflossen war.

Doch auch international anlegende Aktienfonds erfreuten sich eines Kapitalzuflusses in Höhe von mehr als $8 Milliarden. Nur in den Vereinigten Staaten selbst scheinen Anleger kein allzu großes Vertrauen in die Entwicklung der heimischen Märkte mehr zu haben.

ETF´s und passive Fonds schlagen Aktive um Längen

Insbesondere im Hinblick auf Blue Chips mangele es unter Investoren und Spekulanten an Amerikas Aktienmärkten mittlerweile an Vertrauen, dass sich diese Papiere auf aktuellen Niveaus und auf Basis von deren stattlichen Bewertungen noch vom Fleck bewegen könnten, wie es bei Morningstar weiter heißt.

Passive Exchange Traded Funds und Mutual Funds erfreuten sich auch im ersten Halbjahr 2017 einer enormen Popularität. So flossen diesem Sektor in den ersten sechs Monaten Mittel in Höhe von knapp $395 Milliarden zu.

Aktiv gemanagte Fonds blickten im selben Zeitraum hingegen auf Kapitalabzüge von knapp $7 Milliarden. Die Anbieter von passiven Anlageprodukten – darunter Vanguard und Black Rock – profitierten selbstverständlich von diesem Trend.  

Indizes abbildende ETFs befinden sich in den USA nach wie vor ganz oben auf der Kaufliste. Diese Vehikel vereinten im ersten Halbjahr Kapitalanlagegelder in Höhe von $246 Milliarden auf sich, was nicht allzu weit entfernt von dem im Jahr 2016 markierten Rekordhoch in Höhe von $286 Milliarden liegt.