Einer der Hauptgründe hierfür ist, da im US-Kongress demnächst eine Entscheidung über die Verabschiedung einer neuen Gesetzesvorlage, welche die Weltrohölmärkte auf den Kopf stellen könnte, getroffen wird.

Das Ende der OPEC und mögliche Konsequenzen

Bei dem Gesetzesentwurf handelt es sich namentlich um den No Oil Producing and Exporting Cartels Act (NOPEC), wie Bloomberg kürzlich berichtete. Sollte der Gesetzentwurf im US-Kongress eine Mehrheit finden und verabschiedet werden, würden sich alle OPEC-Mitglieder mit einer Befolgung von Anti-Kartellgesetzen in den Vereinigten Staaten konfrontiert sehen.

Die Organisation OPEC, bei der es sich definitiv um ein Kartell handelt, würde auseinanderbrechen, was zur Folge hätte, dass jedes OPEC-Mitglied seine Ölproduktion fortan bis auf ein Maximum anheben würde. Bei Bloomberg wird Bezug auf jüngst getätigte Aussagen von hochrangigen Regierungsmitgliedern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten genommen.

Analysten und Beobachter sind der Ansicht, dass sich die Geschehnisse in den Jahren 2013 und 2014 wiederholen könnten, die nur wenig später mit zu einem Ölpreiseinbruch beitrugen, in dessen Zuge die beiden Ölsorten WTI und Brent beide unter die Marke von $30 pro Fass taumelten.

Amerikanische Fracking-Industrie auf wackeligen Beinen

Sollte es im Zuge einer Zerschlagung des OPEC-Kartells tatsächlich zu einem Wettrennen um den höchsten Produktionsausstoß unter den einzelnen Mitgliedern kommen, würden eine hohe Anzahl von Fracking-Unternehmen wie auch hoch verschuldete Produzenten in den USA eine solche Entwicklung wahrscheinlich nicht überleben und aus dem Wettbewerb ausscheiden. Die amerikanische Fracking-Industrie finanzierende Banken gerieten auf diese Weise einmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Denn Amerikas Kredit gebende Banken hatte es im Angesicht der damaligen Krise schwer erwischt. Eine ganze Reihe von Instituten leckt sich aufgrund der damals erlittenen Verluste noch immer die Wunden.

Die strikte Einhaltung von den unter OPEC-Mitgliedern vereinbarten Ölförderkürzungen – denen das Nicht-Mitglied Russland zugestimmt hat – hat den Preis für die Rohölsorte WTI inzwischen wieder auf rund $60 pro Fass klettern lassen.

Geringe Chancen auf Verabschiedung

Einer Verabschiedung des NOPEC-Gesetzentwurfs durch den US-Kongress werden in den USA selbst momentan nur geringe Chancen eingeräumt, zumal es sich nicht um den ersten gesetzgeberischen Versuch in den Vereinigten Staaten handelt, das OPEC-Kartell für sein Verhalten zur Verantwortung zu ziehen.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten wird dagegen mit weitaus mehr Vorsicht auf die aktuellen Entwicklungen in den USA geblickt. Nicht von ungefähr warnt die Führung des Landes davor, dass Amerikas Fracking-Industrie einem Untergang geweiht wäre, falls der NOPEC-Gesetzentwurf tatsächlich verabschiedet würde.

Denn die extreme Abhängigkeit der amerikanischen Fracking-Industrie von Krediten jeder Art erweise sich nicht nur für viele Sektorunternehmen, sondern auch deren Kredit gebende Banken als größte Achillesferse.

Im vergangenen Jahr erklärte der Vorstandschef von Total in einem Interview gegenüber Bloomberg, dass die Fracking-Förderung unheimlich kapitalintensiv sei. Die Kapitalerträge erwiesen sich nur unter jenen Fracking-Produzenten als zufriedenstellend, die in den besten und aussichtsreichsten Fracking-Regionen in den USA aktiv seien, wie es weiter hieß.

Obwohl es in den letzten Jahren zu massiven Verbesserungen und einer steigenden Effizienz in der Fracking-Fördertechnik gekommen ist, benötigt es noch immer einen enorm hohen Kapitaleinsatz, um die Fracking-Produktion in den USA zu einem Erfolg zu machen. Nach wie vor erweisen sich die meisten Unternehmen daher als extrem abhängig von Kredit- und Finanzierungszusagen durch Banken.

Unter vielen Investoren besteht nach dem im Jahr 2014 einsetzenden Crash nach wie vor eine Vertrauenskrise, die es den meisten Fracking-Firmen in den USA schwer macht, verloren gegangenes Vertrauen wieder zurück zu gewinnen. Vielleicht hält diese Vertrauenskrise auch an, da Fracking-Firmen vor dem Crash kein sonderliches Interesse an einer Maximierung der Kapitalerträge ihrer Investoren gezeigt hatten.

Kapazitätssteigerungen um jeden Preis

Vielmehr ging es den Managements in der Industrie hauptsächlich nur darum, den eigenen Öl- und Gasausstoß immerfort zu erhöhen – koste es, was es wolle. Nicht von ungefähr leiden insbesondere kleine Fracking-Firmen noch immer unter Kapitalknappheit und hin und wieder aufflackernden Liquiditätsproblemen.

Aus diesem Grund ist es nicht nur die OPEC, die dem NOPEC-Gesetzentwurf in den USA in Opposition gegenübersteht. Auch das amerikanische Petroleum Institute hat sich positioniert, um sich gegen eine mögliche Verabschiedung dieses Gesetzentwurfs, die Amerikas Fracking-Industrie massiv unter Druck setzen würde, auszusprechen.

Auch der Vorstand von BP äußerte sich im Rahmen der jüngst stattgefundenen CERAWeek im texanischen Houston besorgt im Hinblick auf eine Verabschiedung von NOPEC in den USA. Wie es hieß, könnte eine solche Gesetzesverabschiedung nicht nur ernsthafte, sondern auch unbeabsichtigte Konsequenzen rund um den Globus nach sich ziehen.

Unter den Kredit gebenden Banken wird eine solche Aussage (ernsthafte und unbeabsichtigte Konsequenzen) verständlicherweise alles andere als gern vernommen. Aus diesem Grund lässt sich vermuten, dass sich auch Amerikas Banken, denen dem Gesetzentwurf in Opposition gegenüberstehenden Gruppierungen anschließen werden.

Denn nur eine anhaltende Fracking-Produktion in den USA verheißt den Instituten, ihre einst vergebenen Darlehen samt einer auskömmlichen Rendite auch wieder einzubringen. In der amerikanischen Fracking-Industrie scheint bislang kein Umdenken stattgefunden zu haben.

Aus Sicht der aktuellen Entwicklungen an den Weltölmärkten sehen sich Fracking-Förderer in den USA verstärkt dazu gezwungen, ihre extreme Abhängigkeit von Krediten der Banken zu reduzieren. Bislang ist wenig bis überhaupt nichts in dieser Art geschehen. Ob es einen weiteren Crash in der Industrie benötigt, um einen Umdenkprozess anzustoßen, wird sich zu gegebenem Zeitpunkt zeigen.