Diese Artikelreihe ist Fortsetzung meiner früheren Beiträge zum bestehenden Geldsystem. Hier finden Sie Teil 1, Teil 2 und Teil 3. Untersucht werden in diesem Aufsatz Vorgänge und Auswirkungen des Sparens im geldtechnischen Sinn.

Ein Sparer möchte sein Geld „zurück“

Manchmal ist es gar nicht so einfach, von seinem Konto oder Sparbuch Geld abzuheben. Vor allem nicht, wenn die Summe eine größere ist. Nun gut, - dass man größere Abhebungswünsche ein paar Tage vorher der Bank bekannt geben muss, mag noch verständlich erscheinen, allerdings verwundert es, wenn man von einem Bankberater zur Auskunft über die zukünftige Verwendung des Geldes genötigt wird. Hier nun eine kleine Anekdote als authentischer Auszug aus einem Gespräch, das im Januar 2010 stattfand:

Kunde am Kassenschalter einer Bank: „Ich möchte gerne alles von diesen Konten abheben. Ich hatte das vorgestern angemeldet.“

Kassiererin: „Einen kleinen Moment. Ich sage kurz Bescheid.“; greift zum Telefonhörer.    

Kunde denkt sich: Hä, - ??? – Ich will doch nur mein Geld abheben.

Ein Bankverkäufer kommt aus einem nahegelegenen Kabuff.

Bankverkäufer: „Guten Tag, Herr R. Würden Sie mich kurz in mein Büro begleiten.“

Kunde: „Wenn´s sein muss. Ich habe wenig Zeit. Gibt´s ein Problem?“

Bankverkäufer: „Nein, kein Problem. Wir sind nur ein wenig besorgt, dass Sie Ihre Konten räumen.“

Kunde: „Ist ja nett, dass Sie sich um mich Sorgen machen. Was möchten Sie denn von mir?“

Bankverkäufer: „Zunächst würde mich interessieren, was Sie mit dem Geld vorhaben.“

Kunde: „Ähm, ... wie kommen Sie darauf, dass Sie das irgendwas angehen könnte? Aber dennoch, ich verrate es Ihnen trotzdem: Ich werde das Geld anderweitig investieren.“

Bankverkäufer: „Und wie? Dürfen wir Ihnen dabei vielleicht behilflich sein? Wir würden Sie da gerne beraten. Ich hätte da ein paar prima Anlageempfehlungen für Sie.“

Kunde: „Nein, danke. Meine Anlageentscheidung habe ich bereits getroffen. Ich werde Gold und Silbermünzen kaufen. Und übrigens, warum freuen Sie sich eigentlich nicht, dass Ihr Arbeitgeber keine Schulden mehr bei mir hat, die er verzinsen muss?“

Bankverkäufer (komisch guckend und leicht unsicher): „Die Frage verstehe ich jetzt nicht. Aber haben Sie sich das mit dem Gold und Silber denn gut überlegt? Edelmetalle befinden sich gerade in einer Blase, die jederzeit platzen kann und wir wollen doch, dass Ihr Geld bestens für Sie arbeitet und einen wirklich sicheren Hafen findet.“

Kunde: „Das mit dem sicheren Hafen ist gut, - ähm, aber ganz ehrlich, meine Meinung: Das einzige, was Sie möchten ist mit Finanzprodukten Geld zu verdienen. Dafür habe ich ja Verständnis, aber wissen Sie was? Das einzige, was hier gleich platzt ist mein Kragen. Ich würde jetzt gerne zur Kasse gehen und mit meinem Geld tun und lassen dürfen, was ich mag. Auf Wiedersehen!“; steht auf und geht.

Bankverkäufer (guckend wie ein begossener Pudel): „Na denn, - Auf Wiedersehen und viel Glück!“; greift zum Telefonhörer.

Sie sehen, manchmal kann es durchaus unangenehm sein, wenn man bei einer Bank eine größere Summe Bargeld abheben möchte. Das Entsparen wird in der Regel seitens der Banken nicht gerne gesehen, obwohl es doch zu den ganz normalen Vorgängen im Bankwesen gehört. 

-       z. B. steht bei Festgeldern das Geld am Ende der Sparfrist dem Anleger als sofort verfügbare Liquidität wieder auf dem Girokonto zur Verfügung. Es kann direkt weiterverwendet werden.

-       ebenso erscheint nach Auflösung einer Bankschuldverschreibung das vormals gebundene Geld wieder auf dem Girokonto und steht für anderweitige Ausgaben zur Verfügung.

Einige Bankschuldverschreibungen sind handelbar, d.h. sie können an Banken oder andere Anleger verkauft werden. Findet sich kein Käufer, ist es für die Bank von Vorteil, selbst die Schuldverschreibung zu kaufen, da mit dem Vorgang die Schuldverschreibung verschwindet und der Bank keine weiteren Zinskosten entstehen.

Einer Bank wird durch das Sparen der Anleger, - d.h. der Überführung von Giralgeld in Geldanlagen - kein zusätzliches Geld zur Verfügung gestellt. Auch in Form von Geldanlagen stellt das längerfristig angelegte Geld für die Bank eine Verbindlichkeit dar. Es ändert sich nur der Status der Liquidität.

Verwendet der Ex-Sparer sein Geld nun, um damit in der Realwirtschaft Waren und Dienstleistungen nachzufragen, besteht die Möglichkeit, dass andere Wirtschaftsteilnehmer einen Teil ihrer Einnahmen zur Tilgung von Bankschulden verwenden können. Mit der Tilgung von Bankschulden verschwindet gleichzeitig Geld aus dem System. Anders ausgedrückt: durch Ausgaben in der Realwirtschaft wird eine Schuldentilgung bei Banken erst möglich. Anders herum ist es nicht möglich, dass gesamtvolkswirtschaftlich Sparguthaben steigen und gleichzeitig Verbindlichkeiten bei Banken abgebaut werden können. Eine Erhöhung der Sparvolumen erzwingt eine steigende Verschuldung, während das Entsparen und Investitionen in der Realwirtschaft erst die Tilgung von Bankverbindlichkeiten ermöglichen.

Erstellen wir an dieser Stelle eine Bilanz des (ehemaligen) Sparers, so ist zu erkennen, dass die Vorgänge spiegelbildlich zur Bankbilanz ablaufen. Auch wenn es ungewöhnlich ist, für eine Privatperson eine Bilanz zu erstellen, hilft diese die Vorgänge, - die bei Unternehmen, aber auch bei Lebensversicherungen und Pensionsfonds identisch ablaufen - zu verstehen.

Sparen in Pensionsfonds und Lebensversicherungen

Investiert ein Anleger einen Teil seines Geldes in einen Pensionsfond oder schließt eine Kapitallebensversicherung ab, so nimmt das Geld nur einen kleinen Umweg über die Versicherungsgesellschaft, um auch in diesen Fällen wieder bei einer Geschäftsbank als Giralgeldguthaben zu erscheinen. Konkret bedeutet dieser Vorgang, dass ein Sparer Giralgeld z.B. an eine Lebensversicherungsgesellschaft überweist, die den Betrag auf ihrem Girokonto gutgeschrieben bekommt. Für die Bank hat sich nur der Halter des Giralgeldes geändert.  

Sowohl Lebensversicherer, als auch Pensionsfonds sind gesetzlich verpflichtet, in als besonders sicher geltende Anlageformen zu investieren. Dazu zählen laut Vorgaben der Politik vor allem Bankschuldverschreibungen, Staatsanleihen und Geldmarktfonds. Investitionen in Aktien, Unternehmensanleihen oder auch Edelmetalle spielen bei diesen Gesellschaften eine mehr oder weniger untergeordnete bis gar keine Rolle.

Die Auswirkungen des Sparens in Pensionsfonds und Lebensversicherungen auf die Höhe der Geldmengen ist identisch mit dem direkten Sparen durch Anleger. Allerdings besteht ein Unterschied darin, dass der Sparer über den Umweg einer Versicherung ein Zertifikat bzw. eine Police in den Händen hält. Nicht er, sondern die Versicherungsgesellschaft ist Halter der Geldanlagen bei den Banken.

Siehe auch hier:

Auswirkungen des heutigen Geldsystems auf die Geldmengen (Helmut Reinhardt)

Als Geldanlage sind Kapitallebensversicherungen keineswegs zu empfehlen, da der Umweg über diese Gesellschaften aufgrund der Gebühren ein recht teurer und die Rendite gering ist. Im Übrigen kann das eigene Todesrisiko für die Hinterbliebenen gut mit einer Risikolebensversicherung abgedeckt werden. Notabene darf stark angezweifelt werden, ob die früher als „sicher“ geltenden Anlageformen von Lebensversicherern und Pensionsfonds es in heutiger Zeit überhaupt noch sind.

... demnächst u.a. in Teil 5:

-       Sparen in Fondsanteile

-       Sparen ist nicht grundsätzlich schädlich

-       Die Wirkung des Sparens auf Schulden

-       Sparen als Voraussetzung für Kreditvergaben ist ein Relikt aus der Vergangenheit

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