Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1051 (07:21 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1031 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107.78. In der Folge notiert EUR-JPY bei 119.12. EUR-CHF oszilliert bei 1.0961.

In den letzten 18 Monaten verdampften Hoffnungswerte auf belastbare Entspannungen wie der Morgendunst im Sonnenschein eines heißen Sommertages. Diese anekdotische Evidenz mahnt zu Vorsicht, positive Implikationen sportlich zu extrapolieren.

Gleichwohl mögen die Erkenntnisse, dass beispielsweise Handelskriege und geopolitische Scharmützel nicht immer leicht zu gewinnen sind, Verantwortliche dazu verleiten, eingeschlagene Wege zu überdenken.

Bevor wir uns aber hier mit verfügbaren Nachrichten und Fakten auseinandersetzen, mag ein Blick auf eine denkbare neue US-Strategie zielführend sein.

Die Abschwächung der US-Konjunktur macht der Trump-Administration fraglos Sorgen. Die Pläne auf Momentum im Handelskonflikt mit China zu setzen, um sich durchzusetzen, sind gescheitert. Im Raum steht das Risiko eines Abnutzungshandelskriegs, in dem es nur Verlierer gäbe, allen voran die USA.

Trump geht es um die Wiederwahl im kommenden Jahr. Dafür ist eine sich sukzessive abschwächende Konjunktur wenig hilfreich. Gleiches gilt für die Risiken rückläufiger Aktienmärkte und fallender Immobilienpreise als Folge der Konjunkturabschwächung.

Anders ausgedrückt muss das Ziel der Trump Regierung sein, dass sich die Wirtschaftslage in den USA belebt. Diese Belebung ist aber nicht isoliert möglich. Das bedarf einer globalen Erholung aufgrund der vernetzten Weltwirtschaft.

Gestern kam es zu einer denkwürdigen Personalentscheidung Donald Trumps, die so nicht ansatzweise in den Märkten erwartet wurde. US-Präsident Trump trennte sich von seinem Sicherheitsberater John Bolton. Es hätte bei ihm und in seiner Regierung Widerstand gegen zahlreiche von Boltons Vorstößen gegeben. Ein Nachfolger würde kommende Woche bekanntgegeben werden.

Nun ist und war John Bolton einer der schärfsten Vertreter aggressivster Politikansätze in dem politischen US-Establishment neokonservativer Prägung. Diese Entscheidung kann als ein Olivenzweig an die Welt interpretiert werden.

Die Reaktion, die uns aus Peking entgegenschallt, ist diesbezüglich ermutigend. Der Chefredakteur der Global Times, die eine große Nähe zur KP Chinas hat, twitterte sportlich los. China wird weitere Maßnahmen ergreifen, um die belastenden Auswirkungen des Handelskonflikts mit den USA zu minimieren. Die Maßnahmen würden sowohl Unternehmen aus China als auch solchen aus den USA zugutekommen. Heute wurde umgehend eine Liste mit Zollausnahmen für US-Produkte veröffentlicht, darunter Lebensmittel und Schmierstoffe. Peking erwägt weitere Ausnahmen für US-Importgüter.

Hier ist ernsthafte Bewegung erkennbar. Das gibt Raum für Zuversicht, nicht für Euphorie!

Es gab aber noch mehr erbauliche Nachrichten in den letzten 24 Stunden:

Schauen wir zunächst auf Deutschland: Das DIW fordert in Deutschland massive Investitionen in den Sektoren Bildung und Infrastruktur gegen die Gefahr der Rezession. Wir stimmen dem DIW vollständig zu. Konsumtive Mehrausgaben sind zu vermeiden. Die Fehler der Vergangenheit in der Bildungspolitik und im Infrastruktursektor sind zu bereinigen. Übrigens weniger Stau heißt auch weniger CO2.

Wirtschaftsminister Altmaier will bis zum Jahresende eine Entlastung der Wirtschaft durch Bürokratieabbau umsetzen. Der Umfang soll die Unternehmen um Milliarden entlasten. Die Worte stimmen, die Taten müssen zügig folgen!

Der Bauverband ZDB erhöhte die Prognose für den Umsatz der Baubranche per 2019 von 6,0 % auf 8,7 %. Dieser Sektor brummt, ebenso wie der private Konsum.

In Japan erwägt die Bank of Japan eine weitere Lockerung der Geldpolitik, so wird von Insidern kolportiert. Die EZB ist auf dem Weg weiterer geldpolitischer Lockerung. Die US-Notenbank ist gleichfalls dabei, Zinsen weiter zu senken. Damit ist seitens dieser drei Zentralbanken mit keinem Gegenwind für die Konjunkturlage zu rechnen.

Fazit:

Sollte es zu belastbaren Entspannungen in Geo- und Handelspolitik kommen, steht eine deutliche Belebung der Weltkonjunktur ins Haus. Dabei sollte insbesondere der in den letzten 18 Monaten geschundene Investitionsgütersektor profitieren. In diesem Sektor sind Deutschland und Kontinentaleuropa gut aufgestellt. „Food for thought!

Schalten die Ampeln für Wirtschaft und Märkte auf tiefes Grün?

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Produktion derzeit schwächstes Glied in Konjunktur

In Frankreich nahm die Industrieproduktion per Juli im Monatsvergleich um 0,3 % zu nach zuvor -2,3 % zu. In Italien sank die Industrieproduktion per Juli im Monatsvergleich um 0,7 % nach zuvor -0,3 %. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 0,7 % nach zuvor -1,2 %.

UK: Vorbereitungen auf Brexit unterstützen noch

Die Arbeitslosenrate sank per Juli von zuvor 3,9 % auf 3,8 %. Die Beschäftigung nahm um 31.000 Jobs zu.

Japan: Negative Dynamik nimmt ab

Der Business Survey Index Japans sank per 3. Quartal um 0,2 % nach zuvor -10,4 %. Seit dem 1. Quartal 2019 kommt es hier zu Kontraktionen.

USA:

Der NFIB Buisness Optimism Index (kleine Unternehmen) sank per August von 104,70 auf 103,10 Punkte und markierte damit den niedrigsten Wert seit März 2019.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!