Es sind die amerikanischen Häusermärkte, die inzwischen auf der Wirtschaftsentwicklung in den USA lasten. Wen wundert es, haben die durchschnittlichen Hypothekenzinsen in den Vereinigten Staaten zu Wochenbeginn doch ein Acht-Jahres-Hoch erklommen.

Und so zeigt das relativ zuverlässige Wachstumsbarometer GDP NOW der Federal Reserve Bank of Atlanta mittlerweile auf, dass Amerikas Wirtschaft im 4. Quartal gerade noch um 2,5 Prozent expandieren wird.

Die Schwäche ist nicht mehr zu übersehen

Dieser Wert liegt deutlich unterhalb der Prognose von Mitte November, die vor den jüngst eingehenden Daten von den amerikanischen Immobilienmärkten noch ein Wachstum von 2,8 Prozent in Q4 vorsah.

Mit ein Grund für die Abwärtsrevision ist insbesondere das sinkende Investitionswachstum an den privaten Häusermärkten der USA, das von ehedem -2,6 auf nunmehr -6,3 Prozent nach unten angepasst wurde.

Ins Auge sticht die Tatsache, dass die Anzahl der Neubauten im Oktober den zweiten Monat in Folge gesunken ist. Die sich an den amerikanischen Immobilienmärkten breit machende Schwäche ist unübersehbar.

Das „affordability gap“ wird sichtbar

Davor warnte vor kurzem auch Amerikas Immobilien-Guru Robert Shiller, Mitbegründer des Case/Shiller-Hauspreis-Index, höchst selbst. Gleichzeitig reduzierten sich die im letzten Monat erteilten Neubaugenehmigungen, während die Fertigstellung von neuen Häusern und Apartments im Oktober auf ein 1-Jahres-Tief gesunken ist.

Es ist mittlerweile unübersehbar, dass neben den steigenden Hypothekenzinsen auch die teils astronomischen Immobilienpreise dazu geführt haben, dass sich potenzielle Käufer zurück halten, weil sie sich Eigenheime finanziell einfach nicht mehr leisten können.

Ausfall des größten Wachstumstreibers wird Folgen haben

Da sich abzuzeichnen beginnt, dass die zu Jahresbeginn auf die amerikanische Wirtschaft einwirkenden Sondereffekte (Stichwort: Steuerreform und Fiskalstimulierungsprogramm) am Auslaufen sind, wiegt die nun zu beobachtende Schwäche an den Häusermärkten besonders schwer.

Denn nach wie vor erweisen sich die Immobilienmärkte als Treiber Nummer 1 für Amerikas heimische Wirtschaft. Sollten jetzt auch noch die Aktienmärkte ins Rutschen kommen, dürfte es mit Amerikas Ökonomie ab dem kommenden Jahr abwärts gehen.

Schon zum aktuellen Zeitpunkt sind die Kreditmärkte in Unruhe verfallen, da die Säumnis- und Zahlungsausfallquoten anziehen. Die Zinsen für Hypotheken mit einer Laufzeit von 30 Jahren haben sich inzwischen bei knapp 4,95 Prozent eingependelt, so jüngste Daten von Freddie Mac.

Infrastrukturprogramm soll Situation entspannen - Finanzierung jedoch unklar

Summa summarum sind die Investitionen an den privaten Häusermärkten in den USA in den ersten neun Monaten dieses Jahres geschrumpft. Nach einem Rückgang im September sank die Anzahl der Neubauten auch im Oktober um 1,8 Prozent auf 865.000 Einheiten.

Gute Neuigkeiten sind das nicht, da dieser Sektor das mit Abstand größte Segment an den amerikanischen Häusermärkten stellt. Hier ein Vergleich: Im November vergangenen Jahres wurde noch ein Wert von 948.000 Einheiten gemessen.

In diesem Angesicht ließ sich fast schon damit rechnen, dass das Vertrauen unter Firmen, die in der Konstruktion von Einfamilienhäusern aktiv sind, auf ein 2-Jahres-Tief gesunken ist. Es sind – wie erwähnt – vor allem die steigenden Zinsen und die unerschwinglichen Preise, die zu einem Ausbleiben von Käufern führen.

Noch weniger verwundert es, dass der ökonomische Top-Berater des Weißen Hauses, Larry Kudlow, jüngst die Auflage des lange erwarteten Infrastrukturprogramms ins Spiel gebracht hat. Noch immer ist bislang jedoch nicht raus, wie dieses Programm finanziert werden soll.