In Australien weisen viele Indikatoren schon seit längerer Zeit auf im historischen Vergleich massiv überbewertete Häusermärkte hin. Ähnlich der Entwicklung vor dem Jahr 2006, in dem die Immobilienblase in den Vereinigten Staaten von Amerika geplatzt war, haben sich auch viele private Kreditnehmer in Australien auf Basis von so genannten No-Interest-Darlehen oder variabel verzinslichen Hypothekenkrediten verschuldet, um einen Hauskauf ins Kalkül zu ziehen. Weitere Vergleiche zu den USA und deren platzenden Häuserblase sind durchaus angebracht.

Reichlich Fluchtkapital aus China

Hinzu kommt, dass in den vergangenen drei Jahren auch massive Fluchtgelder aus China ihren Weg an Australiens und Neuseelands Häusermärkte gefunden haben, was in beiden Ländern zuletzt zu zunehmenden Ressentiments gegenüber Kaufinteressenten aus China und dem Rest Asiens geführt hatte (ich berichtete). Resultat ist, dass vor allem die Genration der heranwachsenden Australier immer mehr das Gefühl umtreibt, aus den heimischen Märkten für Immobilien ausgepreist zu werden.

Der Kauf eines Hauses ist für die meisten jungen Australier im aktuellen Umfeld schlichtweg zu einem kaum mehr erfüllbaren Traum geworden. Dementsprechend groß ist auch der Frust. In der vorvergangenen Woche kam es nun zu einer Parlamentsanhörung der Vorstände von Australiens drei größten Finanzinstituten, namentlich Westpac, National Australia Bank und Commonwealth Bank of Australia.

Alle drei Vorstände zeigten dabei einige Besorgnis im Hinblick auf eine Reihe von Elementen an den australischen Häusermärkten, machten jedoch im selben Atemzug darauf aufmerksam, dass die Häusermärkte Down Unders in den vergangenen Jahren nicht übermäßig inflationiert und durch zu viel billiges Geld der Notenbanken aufgeblasen worden seien.

Immobilienkreditvergabe im „Wohlfühlbereich“?

Insbesondere in Metropolen wie Sydney oder Melbourne, wo die Immobilienpreise zuletzt mit am stärksten zugelegt hatten, ließe sich nicht von der Bildung einer Blase sprechen, so der allgemeine Tenor. Nichtsdestotrotz befänden sich die Risiken, dass es zur Ausbildung einer Blase an diesen Märkten kommen könnte, auf einem hohen Niveau.

Der Chef der Commonwealth Bank of Australia – dem größten Hypothekenkreditgeber des Landes – machte im Rahmen der Anhörung darauf aufmerksam, dass die Kreditvergabe im Hypothekenbereich momentan auf Niveaus liege, welche seinem Haus einen Wohlfühlfaktor vermittele. Aussagen dieser Art lassen sich im Angesicht der aktuellen Entwicklungen wohl nur mehr belächeln.

Denn die Immobilienpreise sind im Laufe der vergangenen Jahre sowohl in Sydney als auch in Melbourne wahrlich abgehoben, hauptsächlich angekurbelt auf Basis von rekordniedrigen Zinsen, einer deutlich zunehmenden Nachfrage aus dem überseeischen Ausland sowie Haus- und Immobilienkäufern durch die Regierung in Canberra ermöglichten Steuererleichterungen.

OECD: Häusermärkte größte Bedrohung für die australische Wirtschaft überhaupt

Wer eine zweite Meinung zur aktuellen Lage in Down Under einholen möchte, der höre zum Beispiel aufmerksam zu, zu welcher Einschätzung die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der vorvergangenen Woche in Sachen der Immobilienmärkte in Australien gekommen ist. Danach handele es sich in Bezug auf die Lage an den Häusermärkten um die größte Bedrohung für die australische Wirtschaft überhaupt. 

Wer einen Blick auf die oben abgebildete Grafik zur Hauspreisentwicklung in den großen Metropolen des Landes wirft, dürfte zu der Erkenntnis gelangen, dass die vor dem Parlament getätigten Aussagen des Chefs der Commonwealth Bank of Australia wohl eher der Kategorie „Talking my own Textbook“ angehören.

Wie Zerohedge kürzlich zu diesem Thema berichtete, seien die Risiken vor allem an den Wohnungs- und Apartmentmärkten von Brisbane und Melbourne massiv gewachsen, da ausländische Käufer – insbesondere jene aus China – auf Basis einer Verschärfung der Kreditvergabebedingungen und einer Verschärfung der heimischen Kapitalkontrollen getroffen wurden.

Offensichtliche Entwicklungen werden heruntergespielt

Der Chef der Commonwealth Bank of Australia unternahm den Versuch, auch diese für jedermann sichtbare Entwicklung so weit wie möglich herunterzuspielen. Was sich derzeit beobachten ließe, sei, dass ausländische Immobilienkäufer, die Geld angezahlt hätten, um Apartments in den Metropolen des Landes zu erwerben, nun nicht selten Probleme damit hätten, ihre Verträge einzuhalten.

Auf dieser Entwicklung basiere ein Teil der Zunahme der angebotenen Objekte an den Häusermärkten, was lokalen Kaufinteressenten jedoch in die Hände spielen sollte. Und während die Bankvorstände der drei größten Finanzinstitute Australiens die aktuelle Lage so weit wie möglich zu beschönigen scheinen, haben sich die Kreditbedingungen für eine ganze Reihe von Projektentwicklern im Land bereits deutlich verschärft.   

Dies gilt insbesondere für jene Projektentwickler, die im Wohnungs- und Apartmentbau tätig sind. Warum das? Ganz einfach deshalb, da sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt eine massive Zunahme der Bestände im Bereich der Mehrparteienwohnhäuser abzuzeichnen beginnt. Diese Entwicklung wird sich mit Blick auf die kommenden drei Jahre wohl noch verschärfen. Mit ein Hauptgrund sind die massiv zunehmenden Baulizenzen in den letzten 18 Monaten.

Bei Zerohedge wurde zur aktuellen Lage in Australien sarkastisch angemerkt, dass es ein prominenter Banker in den USA gewesen sei, der vor dem offensichtlichen Platzen der Immobilienblase in seinem Land im Juli 2005, recht ähnliche Kommentare von sich gegeben habe wie die drei Herren Bankvorstände von Australiens größten Kreditgebern. Dabei handelte es sich um niemand anderes als Ex-Fed-Chef Ben Bernanke, der wie folgt ausgeführt hatte:

„Nun, Amerikas Häuserpreise sind in den vergangenen Jahren ohne Zweifel um einen guten Faktor angestiegen. Ich denke jedoch, dass es wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass sich die Fundamentaldaten in den USA ebenfalls als sehr stark erweisen. Die USA blicken auf eine wachsende Wirtschaft, prosperierende Jobmärkte und kletternde Einkommen. Hinzu gesellen sich niedrige Hypothekenzinsen. Auch die heimische Demographie spielt der Lage an den US-Häusermärkten in die Hände. Vielerorts hat sich das Angebot deutlich verknappt. Aus diesem Grund ist es gewiss verständlich, dass die Häuserpreise steigen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Häuserpreise dort sein sollten, wo sie momentan sind, doch ich denke, dass es fair wäre zu behaupten, dass vieles von dem, was sich an den US-Häusermärkten beobachten lässt, durch die Stärke der amerikanischen Wirtschaft unterfüttert wird.    

Machen Sie sich einen eigenen Reim auf diese Aussagen! Sie erfolgten nur kurz bevor die Blase mit einem lauten Knall platzte!!