Bill Gross, ehedem Co-Chef beim weltgrößten Bondverwalter Pimco, und heute in Diensten von Janus Capital, bestätigte am Montag eigentlich alles, was wir Ihnen zum Thema QE und der wahnwitzigen Geldpolitik der Notenbanken in den vergangenen Jahren ausgeführt haben.

Der Staat hat sich in der Wirtschaft breit gemacht

Laut Gross sind die internationalen Finanzmärkte mittels der ultralockeren Geldpolitik der Federal Reserve auf künstliche Weise unterdrückt worden. In diesem Zuge, so Gross, sei auch das kapitalistische System schwer beschädigt worden.

Dagegen lässt sich wohl nichts einwenden. Ich hatte Ihnen in der Vergangenheit mehrfach angeraten, bei ruhiger Minute einmal darüber nachzudenken, auf welche Weise sich Superbailouts zugunsten der Krisenverursacher samt einer horrenden Monetisierung von Schulden mit kapitalistischen Prinzipien vereinbaren lassen?!!

Vielmehr bekommt man den Staat heute überhaupt nicht mehr aus der Wirtschaft heraus, der sich in diesem Segment wie ein fetter Krake breit gemacht hat, wodurch der Privatwirtschaft Schaden zugefügt wird.

Staatssozialismus hat auf Dauer noch nie funktioniert

Dass wir uns auf dem Weg hinein in eine Art Staatssozialismus befinden, an dessen Spitze Bürokraten die Gesellschaft und Wirtschaft in die von ihnen gewünschte Richtung zu lenken gedenken, ist mittlerweile unverkennbar.

In der DDR und vielen anderen Nationen hatte man dies einst auch versucht. Der Erfolg blieb aus. Wer das immer noch nicht einsehen möchte, braucht einfach nur nach Venezuela zu blicken, um eines Besseren belehrt zu werden.

Die Geister, die sie riefen…

Heutzutage zeigt sich, dass die über Politik und Wirtschaft herrschende Clique in den westlichen Industrieländern Getriebene ihrer eigenen, einst getroffenen Entscheidungen sind. Agiert wird eigentlich kaum mehr.

Vielmehr wird nur noch darauf reagiert, was das mittels Liberalisierung entfesselte Monster „Kapitalmarkt“ an täglichen Vorgaben liefert und an Forderungen stellt. Viel Spielraum zur Eigeninitiative und Umsetzung von langfristigen Konzepten bleibt da nicht mehr.

Bill Gross spricht von „Fake-Märkten“ und rechnet mit steigenden Bondzinsen

Und so kommt Bill Gross zu der Ansicht, dass wir es mit „Fake-Märkten“ zu tun hätten. Auch Gross scheint neben Akteuren wie Jeff Gundlach zu jenen Beobachtern zu gehören, die davon ausgehen, dass die Federal Reserve ihr QE-Programm mittels Bilanzschrumpfung abwickeln wird.

Dieser Vorgang werde allerdings graduell verlaufen, so Bill Gross. Wie vor einigen Wochen berichtet, verfolgt der Offenmarktausschuss der Federal Reserve den Plan, das Bilanzbuch bis zum Jahr 2025 um bis zu 2,5 Billionen US-Dollar zu schrumpfen.

Auf dem Höhepunkt dieses Programms soll es zum Entzug von 50 Milliarden US-Dollar pro Monat kommen. Gross ist der festen Ansicht, dass die Bondmärkte auf diesen potenziellen Liquiditätsentzug mit steigenden Zinsen antworten werden.

Ewige Jagd nach höchster Rendite hat zu irrealen Zinsverschiebungen geführt

Sorgen bereite ihm die Tatsache, dass Investoren und Spekulanten in den letzten Jahren mit nichts anderem beschäftigt gewesen seien, als sich auf die Jagd nach den rentierlichsten Anlageformen zu machen.

Diese Entwicklung habe zu viel zu niedrigen Zinsdifferenzen rund um den Globus geführt. Selbst China und Südkorea seien dafür gute Beispiele, wo die Unternehmensbondzinsen trotz der im System bestehenden Risiken viel zu niedrig seien.

Es gäbe deshalb kaum mehr einen Marktplatz in der Welt, wo Investoren heutzutage noch beherzt zugreifen könnten. Erneut bezeichnete Gross diese Situation als „Fake“. Es sei kaum absehbar, womit zu rechnen sei, wenn dieses Pendel zurückschwinge.

Appell an Yellen: althergebrachte Modelle funktionieren nicht mehr

Abermals richtete Gross einen Appell an Fed-Chefin Janet Yellen und andere Notenbankchefs um darauf hinzuweisen, dass sich die geldpolitischen Entscheider im heute vorherrschenden Umfeld nicht mehr auf althergebrachte Modelle wie die Taylor-Regel oder die Phillips-Kurve stützen und verlassen sollten.

Lassen Sie mich dazu abschließend sagen, dass es nachvollziehbar ist, was Bill Gross zum Ausdruck gebracht hat. Es hapert mir in diesem Zusammenhang allerdings mit der Glaubwürdigkeit von Gross. Warum?

2008 appellierte Gross an Bernanke zur Auflage des QE-Programms…

Ganz einfach schon deshalb, weil der Ex-Chef von Pimco damals im Jahr 2008 mit zu den ersten und lautstärksten Rufern gehörte, welche die Federal Reserve und deren Ex-Chef Ben Bernanke zur Auflage eines QE-Programms „zur Rettung der Finanzmärkte“ aufriefen.

Gross erwies sich damals mit Pimco – wie nicht anders zu erwarten – als Frontrunner, um vor der Entscheidung der Fed dick in den Staatsanleihe- und MBS-Markt zu investieren. Danach ging es nur noch darum, in den Medien sein Textbuch herunter zu reden.

Es sind eben jene Dinge, die nicht in Vergessenheit geraten sollten, um die Dinge endlich nicht mehr mit zweierlei Maß zu messen. Eine Erkenntnis, die Playern in Politik und an den Finanzmärkten einfach nicht in den Sinn zu kommen scheint.